Name der Seite: Besitzer
URL: http://www.heisenhof.info/index.php?id=39
Autor: A. Müller
Stand: 09.09.2010
![]() |
Der rechtsradikale Hamburger Rechtsanwalt Jürgen Rieger hat das 2,6 ha große Gelände der ehemaligen Standortverwaltung mit dem früheren Offizierskasino im April 2004 für 255 000 € für die „Wilhelm-Tietjen-Stiftung für Fertilisation“ erworben.
Jürgen Rieger ist kein unbeschriebenes Blatt. Als Anwalt hat er bundesweit viele Rechtsextremisten und Holocaustleugner vor Gericht bzw. in Verwaltungsverfahren vertreten, darunter Michael Kühnen und Horst Mahler. Auf zahlreichen Veranstaltungen der rechtsextremistischen und neonazistischen Szene verbreitet er seine Thesen darüber, dass der Holocaust nicht stattgefunden habe.
Seit Jahren gilt der wegen Volksverhetzung, Körperverletzung und Verbreitung rassistischen Gedankengutes verurteilte Rieger als einer der führenden deutschen Neonazis mit besten Kontakten zu Alt- und Jungrechten und jeder Menge Geld zur Finanzierung radikaler Umtriebe. Er betätigt sich seit langem als Käufer von Immobilien als Tagungs- und Versammlungszentren, so 1978 das Anwesens in Hetendorf bei Celle, das sich im Besitz des Bundes befand. Hetendorf entwickelte sich bis zu seinem Verbot und der Auflösung durch das Nds Innenministerium im Februar 1998 zu einem der bedeutendsten Treffpunkte von Neonazis in Deutschland.
1995 kaufte Rieger für 2,2 Millionen Mark das 650 Hektar große Landgut Sveneby in Südschweden, zu dem eine Reihe von Gebäuden gehören. Dort haben sich inzwischen führende Köpfe der schwedischen Neonazi-Szene angesiedelt. Es gibt noch diverse andere Immobilien in Riegers Besitz, so z.B. einen Gebäudekomplex in Hameln und einen Gasthof mit Hotel und Diskothek in Thüringen. Es ist wahrscheinlich, dass Erbschaften vermögender Altnazis wie z.B. Wilhelm Tietjen einen guten Teil des rechtsextremen Immobilien-Kapitals stellen.
Für detailliertere Informationen zur Person Jürgen Rieger klicken sie bitte hier (Lexikon Rechtsextremismus).
Wilhelm Tietjen-Stiftung
Die Stiftung geht auf den Bremer Altnazi Wilhelm Tietjen zurück, der nach dem Zweiten Weltkrieg mit Aktienspekulationen zu einem Vermögen kam und Rieger eine Million Euro vermacht haben soll, wie in der Fernsehsendung "Buten un Binnen" von Radio Bremen berichtet wurde.
Den Sitz der Stiftung in London erklärte Rieger damit, dass in Großbritannien bessere Bedingungen für seine Fruchtbarkeitsforschung bestünden als in Deutschland; so sei "die Leihmutterschaft bei uns ja verboten, in England aber nicht".
Der Grund für die Londoner Adresse dürfte dagegen in den schlechten Erfahrungen zu suchen sein, die Rieger bereits vor Jahren mit einer anderen Liegenschaft machen musste: In Hetendorf bei Celle hatte ein Verein "Heide-Heim" ein Anwesen gekauft, das über Jahre hinweg als Veranstaltungs- und Tagungsort für rechtsextreme und rassistische Gruppen diente. Nach dem Verbot des Vereins im Jahre 1998 fiel das Grundstück an das Land Niedersachsen. Von einem Sitz im Ausland dürfte sich Rieger besseren Schutz gegen derartiges Ungemach erwarten.
Tatsächlich handelt es sich bei der "Wilhelm-Tietjen-Stiftung" jedoch nicht um eine bei der englischen "Charity Commission" gemeldete gemeinnützige oder wohltätige Organisation, sondern um eine Briefkastenfirma, deren Adresse über ein "virtuelles Büro" im teuren Londoner Stadtteil Kensington läuft. Direktor der Firma ist Rieger, als Sekretärin ist im englischen Firmenregister seine Lebensgefährtin angegeben. Die zwei Geschäftsanteile der Firma zu je einem britischen Pfund sind im Besitz von Rieger. Der zum 30.11.2003 abgeschlossene Jahresbericht der Firma weist keinerlei Umsätze aus; im Firmenregister ist die "Wilhelm Tietjen Stiftung Fuer Fertilisationsforschung Limited" als "ruhend" (dormant) bezeichnet. Als Geschäftszweck wird dort "Werbung" (advertising) angegeben.